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Was Vibecoding wirklich bedeutet – und was nicht

AI-gestütztes Entwickeln verändert, wer Software bauen kann. Aber es verändert nicht, was gute Software ausmacht. Ein paar Gedanken aus der Praxis – von jemandem, der keine einzige Zeile Code schreiben kann.

Den Begriff "Vibecoding" hat Andrej Karpathy geprägt, einer der bekanntesten KI-Forscher der Welt und früherer Tesla-KI-Chef. Seine Beschreibung ist so treffend wie provokant: Du sagst dem Modell, was du willst. Das Modell baut es. Du schaust kaum noch auf den Code. Du folgst dem Vibe.

Ich praktiziere das seit einem guten Jahr. Diese Webseite hier ist ein Ergebnis davon. Kein einziges Zeichen HTML oder CSS habe ich selbst getippt.

Was sich wirklich verändert

Die ehrlichste Beschreibung: Vibecoding demokratisiert den Zugang zur Umsetzung. Früher trennte die Fähigkeit zu programmieren diejenigen, die Ideen hatten, von denen, die Ideen umsetzen konnten. Heute ist diese Grenze durchlässiger geworden.

Ich baue kleine Tools, die mir im Arbeitsalltag helfen. Automatisierungen, die ich vor zwei Jahren entweder teuer hätte entwickeln lassen müssen oder einfach nicht gebaut hätte. Das ist kein Trick – das ist ein echter Produktivitätsgewinn.

Vibecoding ist nicht das Ende des Programmierens. Es ist das Ende der Programmierfähigkeit als Zugangsvoraussetzung für eigene digitale Werkzeuge.

Was sich nicht verändert

Hier wird es wichtig, ehrlich zu bleiben. Vibecoding verändert nicht, was gute Software ausmacht. Struktur, Wartbarkeit, Sicherheit, Performance – das sind keine Themen, die sich durch bessere Prompts erledigen. Wer ein komplexes System baut, braucht weiterhin Architekturverständnis.

Was ich selbst gemerkt habe: Je größer und komplexer ein Projekt wird, desto mehr merkt man die Grenzen. Claude Code baut mir eine schöne Webseite. Aber wenn ich ein ernsthaftes Backend mit Datenbankanbindung, Authentifizierung und Skalierung bräuchte – dann brauche ich jemanden, der weiß, was er tut. Oder ich bleibe bei überschaubaren Projekten.

Warum ich es trotzdem für wichtig halte

In meinem Job sehe ich täglich Menschen mit guten Ideen, die an der Umsetzung scheitern – nicht weil die Idee schlecht ist, sondern weil der Weg von der Idee zum funktionierenden Werkzeug zu aufwändig erscheint. Vibecoding verkürzt diesen Weg erheblich.

Das bedeutet: Mehr Prototypen, mehr Experimente, mehr Lernen durch Tun. Und manchmal entsteht dabei etwas, das wirklich nützlich ist. Nicht trotz der Einfachheit des Werkzeugs – sondern wegen ihr.

Mein ehrliches Fazit

Vibecoding ist kein Allheilmittel und kein Hype, der morgen wieder verschwindet. Es ist ein neues Werkzeug – mit echten Stärken und klaren Grenzen. Wer das versteht, kann damit sinnvoll arbeiten. Wer erwartet, damit komplette Unternehmensanwendungen ohne jede technische Kenntnis zu bauen, wird enttäuscht werden.

Für mich persönlich hat es meinen Arbeitsalltag bereits verändert. Das reicht mir als Beweis.

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